CMS-Vergleich aus der Praxis: wann welches System wirklich passt.
Autor
Michael ZengerDatum
13 Juli 2026Drupal, Contao oder WordPress: welches CMS wirklich zu deinem Projekt passt
„Welches CMS ist das beste?" ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, und zugleich eine der wenig hilfreichen. Ein bestes CMS gibt es nicht, es gibt nur das passende für ein konkretes Projekt. In den letzten Jahren habe ich vor allem mit Contao und Drupal gearbeitet, und die beiden ergänzen sich in meinem Portfolio sehr gut. Warum das so ist, und wann eher WordPress oder ein Headless-System wie Strapi sinnvoll wird, schaue ich mir hier aus der Praxis an.
Zuerst der Umfang, dann das System
Bevor die Systemfrage überhaupt Sinn ergibt, steht eine andere: Was soll die Seite eigentlich leisten? Ein Verein mit Nachrichten und einem Terminkalender hat völlig andere Anforderungen als ein Unternehmen mit Produktdaten, Benutzerrollen und einem Shop. Wer diesen Schritt überspringt und direkt beim Lieblingssystem landet, zahlt später drauf, entweder durch ein überdimensioniertes Setup oder durch ein System, das an seine Grenzen stößt. Deshalb sortiere ich die drei üblichen Kandidaten nicht nach „gut" und „schlecht", sondern nach Projektgröße und Pflegeaufwand.
Contao: stark für redaktionelle Seiten mit klarem Umfang
Contao ist von Haus aus auf klassische Inhaltsseiten ausgelegt: Textseiten, Nachrichten, Termine, einfache Formulare. Genau in diesem Rahmen spielt es seine Stärken aus. Ich setze es zum Beispiel für die Websites eines Sportvereins, einer Schule und eines Mediziners ein, alles Projekte, bei denen gepflegte Inhalte und Termine im Mittelpunkt stehen und keine komplexe Datenlogik. Für redaktionelle Arbeit finde ich Contao ausgesprochen gelungen, das Backend ist aufgeräumt und auch für Redakteure ohne technischen Hintergrund gut bedienbar.
Contao-Wartung in der Praxis
Der größte praktische Vorteil liegt im Wartungsaufwand. Contao arbeitet mit sogenannten LTS-Versionen (Long Term Support). Eine LTS wird drei Jahre lang mit Bugfixes versorgt und danach ein weiteres Jahr mit Sicherheitsupdates, macht vier Jahre planbare Ruhe. Die aktuelle LTS ist Contao 5.7, erschienen im Februar 2026, mit Bugfixes bis Februar 2029 und Sicherheitsupdates bis Februar 2030. Zwischen den LTS-Versionen erscheint nur etwa ein Zwischenrelease pro Jahr.
In der Praxis heißt das: Solange kein kritisches Sicherheitsupdate ansteht, kann eine Contao-Seite viele Monate oder sogar Jahre einfach laufen. Zwingende Sicherheitsupdates sind selten, was mit der Grundkonzeption von Contao zusammenhängt, die von vornherein auf ein schlankes, gut kontrollierbares System setzt.
Was ich dabei nicht verschweige: Beim Update selbst sind je nach Ausgangslage durchaus Code-Anpassungen nötig. Besonders bei Projekten, die noch aus der Zeit vor der Fünfer-Reihe stammen, kann ein Versionssprung Arbeit an Templates und Erweiterungen bedeuten. Das ist kein Argument gegen Contao, gehört aber zur ehrlichen Einschätzung dazu.
Drupal: die Wahl, sobald es komplexer wird
Sobald ein Projekt über gepflegte Inhalte und Termine hinausgeht, wird Drupal interessant. Abhängigkeiten zwischen Inhalten, komplexere Datenverwaltung, viele Benutzerrollen, individuelle Logik: dafür ist Drupal gebaut. Ich nutze es für ganz unterschiedliche Projekte kleinerer und größerer Unternehmen, teilweise auch mit Shop-Anbindung. Die Commerce-Integration funktioniert mittlerweile gut und ist eine echte Option, wenn Verkauf und individuelle Datenstruktur zusammenkommen.
Drupal-Wartung: regelmäßig, meist harmlos
Dafür verlangt Drupal mehr laufende Pflege. Eine neue Hauptversion erscheint alle zwei Jahre, Minor-Versionen alle sechs Monate, kleinere Patches monatlich. Jede Minor-Version wird etwa ein Jahr unterstützt, zuerst mit Bug- und Sicherheitsfixes, in der zweiten Hälfte nur noch mit Sicherheitsfixes. Es gibt also regelmäßig etwas zu tun.
Der wichtige Punkt aus der Praxis: Die laufenden Minor- und Patch-Updates von Core und Modulen laufen meist unspektakulär durch. Etwas anderes sind die Upgrades zwischen den Hauptversionen, also zum Beispiel von Drupal 10 auf 11 oder 11 auf 12. Dabei sind in der Regel einige Anpassungen nötig, die zwar meistens gut machbar sind, aber durchaus spürbaren Aufwand bedeuten können. Schwierig wird der laufende Betrieb außerdem in zwei Fällen, wenn eine Seite lange gar keine Updates bekommen hat, oder wenn sie stark auf Module setzt, die selbst nicht mehr gepflegt werden. Wer regelmäßig aktualisiert und bei der Modulauswahl auf aktive Projekte achtet, hat mit Drupal wenig Drama. Als aktuelles Beispiel für die Planung: Drupal 12 erscheint Ende 2026, Drupal 10 erreicht dann sein Support-Ende. Wer heute noch auf Drupal 10 sitzt, sollte den Umstieg einplanen.
Warum sich Contao und Drupal gut ergänzen
Aus diesen beiden Profilen ergibt sich, warum ich beide Systeme parallel einsetze. Contao deckt den Bereich ab, in dem Inhalte, Termine und Redaktion im Vordergrund stehen und wenig Wartung erwünscht ist. Drupal übernimmt alles, was darüber hinausgeht, sobald Struktur, Abhängigkeiten oder ein Shop ins Spiel kommen. Das eine ist kein schlechteres Drupal, das andere kein aufgeblähtes Contao. Sie decken schlicht unterschiedliche Projektgrößen ab, und deshalb muss ich mich nicht auf ein einziges System festlegen, sondern kann pro Projekt das passende wählen.
Und wo bleibt WordPress?
WordPress ist eines der verbreitetsten CMS überhaupt, und das aus nachvollziehbaren Gründen: Man ist schnell startklar, für fast alles gibt es ein Plugin, und viele kennen die Oberfläche bereits. Auch WordPress ist ein brauchbares System, ich habe für meine Projekte in letzter Zeit aber mehr Vorteile bei Contao und Drupal gesehen.
Worauf ich aber hinweise: Der WordPress-Kern selbst ist inzwischen ziemlich ruhig, Sicherheits- und kleinere Updates installieren sich meist automatisch im Hintergrund. Der eigentliche Aufwand entsteht durch die Plugins. Eine typische WordPress-Seite bringt schnell eine Vielzahl Erweiterungen mit, jede mit eigenem Update-Rhythmus und eigenem Risiko. Und weil WordPress so verbreitet ist, sind gerade populäre Plugins ein beliebtes Ziel für Angriffe. Allein deshalb ist der regelmäßige Wartungs- und Sicherheitsaufwand hoch, und bei größeren Projekten wird der Plugin-Baukasten schnell unübersichtlich. Für eine überschaubare Seite ist das gut beherrschbar, bei wachsender Komplexität sehe ich die anderen beiden Systeme vorn.
Headless CMS wie Strapi: nur mit klarem Grund
Ein Begriff, der gerade oft fällt, ist „Headless". Dahinter steckt die Idee, Inhalte und Datenhaltung vom Frontend zu trennen: Das CMS liefert die Inhalte nur noch über eine Schnittstelle, die Darstellung baut man separat. Ich betreibe selbst ein größeres Strapi-Projekt und kenne die Vorteile aus erster Hand. Man kann sich damit eine sehr individuelle Datenhaltung aufbauen und aus einem einzigen Backend mehrere Websites oder Kanäle beliefern. Für die richtigen Anforderungen ist das eine starke Lösung.
Genauso ehrlich ist aber die andere Seite: Das Hosting ist nicht so einfach wie bei einem klassischen CMS. „Hochladen und starten" gibt es hier nicht, der Betrieb auf dem Server ist deutlich aufwändiger und will laufend gepflegt werden. Deshalb mein klarer Rat: Setze nicht auf ein Headless-System, weil es modern klingt oder du den Begriff mal gehört hast. Setze nur darauf, wenn du genau sagen kannst, welchen Vorteil du dir davon versprichst. Ohne diesen konkreten Grund holt man sich vor allem zusätzlichen Aufwand ins Haus.
Welches System für dein Projekt?
Die ehrliche Kurzfassung: Für eine inhaltsorientierte Seite mit Terminen und wenig Wartungswunsch ist Contao meist die beste Wahl. Sobald Abhängigkeiten, komplexe Daten oder ein Shop dazukommen, ist Drupal das robustere Fundament. WordPress kann für einfache Projekte passen, bezahlt seine Verbreitung aber mit entsprechendem Pflegeaufwand. Und Headless lohnt sich nur, wenn ein klarer technischer Grund dahintersteht.
Wenn du unsicher bist, was zu deinem Vorhaben passt, schaue ich mir das gern konkret an. Ich empfehle nicht das System, das mir am besten gefällt, sondern das, das zu deinem Projekt, deinem Budget und deinem Wartungswunsch passt.
Als Webentwickler aus dem Raum Regensburg begleite ich von der ersten Einschätzung bis zur laufenden Betreuung. Ein Blick in meine Referenzen zeigt dir, welche Art von Projekten ich damit umsetze.
